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Was trinkt man zur Brettljause?

Ein Satz genügt als Regel: Was auf dem Brett fett und salzig ist, braucht im Glas Säure oder Gerbstoff. Alles Süße arbeitet dagegen und macht die Jause nach zwei Bissen schwer.

Das erklärt, warum sich in jeder Jausenregion dasselbe Muster findet: im Mostviertel der herbe Birnenmost, in der Steiermark der säurebetonte Welschriesling, in Tirol das schlanke Märzen. Keines dieser Getränke ist besonders fein — sie sind alle darauf ausgelegt, gegen Speck anzukommen.

Was wozu passt
Getränk Warum es funktioniert Besonders gut zu
Apfel- oder Birnenmostherb, säurebetont, wenig AlkoholGrammelschmalz, Selchfleisch
Welschriesling, Grüner Veltlinerknackige Säure, kein Holz, kein RestzuckerBergkäse, Speck
Schilcherkräftige Säure, kaum Gerbstoffsteirische Jause mit Kernöl
Zweigelt, leicht gekühltsaftig, wenig TanninHauswürstel, Kaminwurzen
Märzen oder ZwicklKohlensäure und Bittere räumen den Gaumen freiallem, vor allem Verhackertem
Naturtrüber Apfelsaft, gespritztSäure ohne Alkoholallem
Soda-Zitroneneutral, erfrischendKäse und Frischem

Most

Most ist vergorener Apfel- oder Birnensaft und in Ober- und Niederösterreich das klassische Jausengetränk. Er hat deutlich weniger Alkohol als Wein, dafür eine Säure, die sich durch jedes Stück Speck arbeitet. Birnenmost fällt meist herber aus als Apfelmost, Mischungen aus beidem sind verbreitet.

Achtung bei der Bestellung: In Deutschland und in der Schweiz meint „Most“ je nach Gegend auch den unvergorenen Süßmost. In Österreich ist der vergorene gemeint.

Wein aus dem Buschenschank

Ein Buschenschank darf nur ausschenken, was der eigene Betrieb erzeugt hat. Deshalb steht dort Wein oder Most auf dem Tisch und kein Bier — und deshalb ist die Auswahl klein und passt trotzdem.

  • Welschriesling — der Standard im steirischen Buschenschank: schlank, säuerlich, unaufdringlich.
  • Grüner Veltliner — pfeffrig, mit genug Säure für Geselchtes.
  • Schilcher — weststeirischer Rosé aus Blauem Wildbacher, ausgesprochen säurebetont.
  • Uhudler — die südburgenländische Eigenheit mit erdbeerartigem Ton; man mag ihn oder nicht.
  • Sturm — teilvergorener Traubenmost, trüb und süßlich, nur im Frühherbst zu haben. Er ist die Ausnahme von der Süß-Regel, weil die Gärung die Süße trägt.

Schwere, holzbetonte Rotweine passen nicht. Ihr Tannin trifft auf Salz und wird bitter, und ihr Alkohol legt sich über den Käse.

Bier

Zur Jause außerhalb des Buschenschanks ist Bier die naheliegende Wahl. Gefragt sind malzbetonte, moderat gehopfte Sorten: Märzen, Zwickl, Kellerbier, ein Zoigl. Die Kohlensäure nimmt das Fett vom Gaumen, ohne dass der Geschmack den Speck überdeckt.

Stark gehopfte Biere sind hier fehl am Platz. Ihre Bitterkeit addiert sich zum Salz und lässt den Käse metallisch schmecken.

Schnaps

Ein Obstbrand kommt nach der Jause, nicht dazu — klein, kalt und freiwillig. Traditionell sind Marille, Zwetschke, Birne oder Vogelbeere. Ein Brand während des Essens betäubt den Geschmackssinn für alles, was danach noch auf dem Brett liegt.

Ohne Alkohol

  • Naturtrüber Apfelsaft, gespritzt — die beste alkoholfreie Entsprechung zum Most.
  • Kräuterlimonade — die im Alpenraum übliche Begleitung, bitter-kräutrig statt süß-fruchtig.
  • Soda-Zitrone und Mineralwasser mit Kohlensäure — neutral und wirksam.
  • Holunderblütensirup, stark verdünnt — für alle, denen Säure allein zu wenig ist.
  • Kaffee — danach, nicht dazu.

Nicht gut funktionieren süße Limonaden, Fruchtsäfte ohne Verdünnung und Milchgetränke. Sie decken das Salz zu, statt es auszugleichen.

Auf der Hütte und im Buschenschank

Beides liegt oft abseits und wird mit dem Auto angefahren. Wer fährt, bleibt beim gespritzten Apfelsaft — die Jause verliert dadurch nichts.

Stand: 24. August 2026